Meldungen aus dem Bezirksverband

Dem Vergessen entrissen

Verlegung von sowjetischen Kriegsgräbern in Solingen-Burg

Andreas Brühne, Technische Betriebe Stadt Solingen, Abteilungsleiter Objektbetreuung und Friedhöfe, bereitet die Umbettung vor. Wolfgang Held (Volksbund)

Solingen. Anders als in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion oder in den neuen Bundesländern sind Umbettungen von Kriegstoten in Nordrhein-Westfalen nicht alltäglich. Andererseits sind sie aber auch keine Seltenheit. Wenn zivile Friedhöfe nach Jahrzehnten aufgelassen oder kaum noch besucht werden, stellt sich auch die Frage nach dem Verbleib der Kriegsgräber. Geschützt durch das Kriegsgräbergesetz, müssen sie dauerhaft erhalten werden. Um dies zu gewährleisten, ist manchmal auch eine Umbettung ratsam. Von so einem Fall berichtet der Beauftragte für Kriegsgräber Inland des Landesverbandes NRW, Wolfgang Held. Hierbei handelt es sich um Kriegstote aus der Sowjetunion, die während des Zweiten Weltkrieges unter menschenverachtenden Arbeits- und Lebensumständen ihr Leben verloren. Ihr Schicksal steht exemplarisch für Millionen weitere.  

„Es ist ein Tag voller Gegensätze. Sonne, Wind und Regen wechseln einander ab. Ich gehe noch einmal den Waldweg zum alten, hinter Büschen versteckten Friedhof. Am oberen Rand eines Hanges befinden sich die Gräber von 15 sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, darunter eine Mutter mit ihrem Kind.

Ich gehe die Reihe entlang und blicke auf die Grabsteine. Die Inschriften sind kaum mehr zu entziffern. Mir kommt das Gedicht „Auf dem Kirchhof“ von Detlev von Liliencron (1844-1909) in den Sinn:

„Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt.
Ich war an manch vergessenem Grab gewesen.
Verwittert Stein und Kreuz, die Kränze alt.
Die Namen überwuchert, kaum zu lesen.“

Vor über zwei Jahren hat sich Andreas Brühne, Technische Betriebe Stadt Solingen, Abteilungsleiter Objektbetreuung und Friedhöfe, an den Beauftragten des Volksbundes gewandt und um Unterstützung für die Verlegung von Gräbern von Toten der Gewaltherrschaft gebeten. Ein gemeinsamer Ortstermin machte deutlich, dass diese Gräber den Mahncharakter, den das Gräbergesetz vorgibt, in keiner Weise entsprechen:

„Dieses Gesetz dient dazu, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in besonderer Weise zu gedenken und für zukünftige Generationen die Erinnerung daran wach zu halten, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben.“

Ein Ortsbesuch von Olga Titkova, Leiterin des Büros für Kriegsgräberfürsorge & Gedenk-arbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, unterstrich den Wunsch von Stadt und Volksbund, diese Gräber zu einem würdigen Platz zu verlegen und damit in die Erinnerung der Menschen am Ort zurück zu bringen.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat der Verlegung zugestimmt. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen jedoch die Durchführung der Maßnahme erst einmal nicht zu. Nun ist der Tag für die Verlegung der Gräber gekommen. Andreas Brühne gleicht noch einmal die Grablagen auf dem alten Friedhof mit der Beschriftung auf den kleinen, handwerklich ansprechenden Särgen ab (siehe Foto). Herr Brühne und sein Team haben die Verlegung beispielgebend vorbereitet.

Leider konnte Frau Titkova aus Berlin nicht kommen. Andreas Brühne und Wolfgang Held begrüßen Juliia Safronova, Vizekonsulin im Generalkonsulat der Russischen Föderation aus Bonn - Bad Godesberg, und ihren Sohn Nikita Gorbachew sehr herzlich und freuen sich über die Teilnahme.

Die neue Gräberanlage wird durch Herrn Brühne und seinem Team in einen würdigen Zustand hergerichtet. Im Eingangsbereich des Friedhofes wird ein Hinweisschild auf diese Gräber aufmerksam machen. Ende August diesen Jahres soll, im Rahmen einer Gedenkveranstaltung, die fertige Anlage der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Selbstverständlich werden Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin und des Generalkonsulates in Bonn - Bad Godesberg dazu eingeladen. Die Gräber sollen durch einen orthodoxen Priester geweiht werden.“

Bericht und Fotos: Wolfgang Held; Einleitung: Stefan Schmidt

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